Frei und gekürzt nach „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ der Brüder Grimm.
1 · Die goldene Kugel
Es war einmal eine Königstochter, die gern mit einer goldenen Kugel spielte. An einem heißen Tag saß sie an einem tiefen Brunnen im Wald. Sie warf die Kugel in die Luft und fing sie wieder auf. Doch einmal fiel die Kugel neben ihre Hand, rollte über den Boden und verschwand im Brunnen. Die Königstochter begann zu weinen.
2 · Ein Versprechen am Brunnen
Ein Frosch streckte seinen Kopf aus dem Wasser. „Warum weinst du?“, fragte er. Die Königstochter erzählte von ihrer Kugel und bot ihm Kleider, Perlen und ihre Krone an, wenn er sie zurückholte. Doch der Frosch wollte keine Schätze. Er wollte ihr Gefährte sein, neben ihr sitzen, von ihrem Teller essen, aus ihrem Becher trinken und in ihrem Bett schlafen.
Die Königstochter versprach ihm alles. Heimlich dachte sie aber: Ein Frosch kann doch nicht mein Gefährte sein! Der Frosch tauchte hinab und holte die Kugel herauf. Kaum hatte sie ihre Kugel wieder, lief die Königstochter nach Hause. Den Frosch ließ sie zurück.
3 · Ein unerwarteter Gast
Am nächsten Tag saß die Königstochter mit ihrem Vater beim Essen. Da klopfte es. Vor der Tür stand der Frosch und erinnerte sie an ihr Versprechen. Erschrocken schlug sie die Tür zu. Der König fragte, was geschehen sei. Als er die Geschichte hörte, sagte er: „Was du versprochen hast, musst du auch halten.“
Die Königstochter ließ den Frosch herein. Er saß neben ihr und aß von ihrem goldenen Teller. Sie fühlte sich dabei unwohl.
4 · Der Zauber bricht
Nach dem Essen wollte der Frosch in ihrem Bett schlafen. Die Königstochter wollte das nicht. Sie trug ihn in ihr Zimmer und setzte ihn in eine Ecke. Als er weiter darauf bestand und sagte, er werde es ihrem Vater erzählen, wurde sie so zornig, dass sie ihn gegen die Wand warf.
Als er zu Boden fiel, war er kein Frosch mehr, sondern ein Königssohn. Er erzählte, eine böse Hexe habe ihn verzaubert. Nun war der Zauber gebrochen. Mit Zustimmung ihres Vaters wurde er ihr Gemahl.
5 · Der treue Heinrich
Am nächsten Morgen kam eine prächtige Kutsche. Der treue Diener Heinrich begleitete sie. Er hatte aus Kummer über die Verzauberung seines Herrn drei eiserne Bänder um sein Herz legen lassen, damit es vor Traurigkeit nicht zerbräche.
Die Königstochter und der Königssohn stiegen ein. Unterwegs krachte es dreimal. Der Königssohn dachte, die Kutsche gehe kaputt. Doch es waren Heinrichs eiserne Bänder: Sie sprangen vor Freude auseinander, weil sein Herr erlöst war.
Im Märchen geschieht eine Verwandlung durch Zauber. Im wirklichen Leben darf man Tiere nicht verletzen.